Freibund in Geldnöten?

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Wie aus einem Spendenaufruf der Freibund-Bundesführung an „Altfreibünder“ vom 23. März 2010 hervorgeht, gerät der Freibund zunehmend unter finanziellen Druck. Fraglich ist, ob die Vertreter der Bundesführung, die den Aufruf unterzeichnet haben, es dabei gegenüber ihren Bundesbrüdern mit der Wahrheit wirklich genau nehmen.

In dem Schreiben, dem ein Überweisungsträger beigelegt war, ist die Rede von „Veröffentlichungen aus dem Linksextremen Umfeld“, die eine „öffentliche Diffamierungskampagne“ betrieben, „wie wir sie seit längerem nicht mehr erlebt haben“. Angeblich sei es „zu Veröffentlichungen von Bildern unserer Mitglieder in Zeitschriften der linksextremen Antifa gekommen“, die den Freibund dazu veranlasst hätten, „rechtlich dagegen vorzugehen, um unsere Mitglieder zu schützen“. „Das Vorgehen der Antifa“, so die Bundesführung, „gestaltet sich hinterhältig und ist vergleichbar mit den Methoden der Stasi“.

Welche „Zeitschriften der linksextremen Antifa“ hier gemeint sein sollen, behalten die Führer des Freibundes für sich. Es heißt in dem Schreiben weiter: „Zur Zeit gehen wir gegen zwei Zeitschriften und eine Buchpublikation vor, was sich vor allem als sehr kostspielige Angelegenheit erwiesen hat. Wir befinden uns in einem Rechtsstreit, der mittlerweile 5000 Euro gekostet hat und voraussichtlich noch länger andauern wird”. Während rechte-jugendbuende.de einen Rechtsstreit bezüglich der Buchpublikation bestätigen kann, da wir an diesem beteiligt sind, ist die Behauptung, es seien vom Freibund noch zwei Zeitschriften verklagt worden sehr fragwürdig. Fakt ist, dass der Freibund eine Einzelperson aus der bündischen Szene verklagt hat. Diese Einzelperson hat jedoch weder mit der Buchpublikation noch etwas mit der „linksextremen Antifa“ zu tun, so dass es der Freibund-Bundesführung wohl nützlicher schien, diesen Sachverhalt nicht zu erwähnen, zumal das klagende Freibund-Mitglied mit einer Reihe der Klagepunkte keinen Erfolg erzielen konnte.

Wahrscheinlicher ist es, dass die Bundesführung ein ganz anderes finanzielles Defizit durch den Bettelbrief auszugleichen versucht: Auf einem Seminar auf Burg Balduinstein erklärte Bundesführerin Juliane Guleikoff ebenfalls im März vor Duzenden von Zuhörern, durch missbräuchliche Zugriffe auf die Webseite des Freibundes seien enorme Datenumsätze erzielt worden, was einen beachtlichen finanziellen Schaden nach sich gezogen habe. Hiervon ist in der Spendenaufforderung an die Altfreibünder allerdings nicht die Rede.

Es ist aufschlussreich, dass die Verantwortlichen im Freibund es als nützliche Strategie zu sehen scheinen, ihren Altmitgliedern eine Verfolgung durch „die linksextreme Antifa“ vorzugaukeln. Offenbar erwarten sie, so ein höheres Spendenaufkommen zu erzielen. Die genannte Buchpublikation wurde jedoch aus Mitteln des Programms „Vielfalt tut gut – Jugend für Vielfalt, Toleranz und Demokratie“ des Bundesfamilienministeriums gefördert. Der Begriff „linksextreme Antifa“ scheint in Kreisen des (Alt-)Freibundes recht großzügig gefasst zu sein.

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