Stellungnahme des Deutschen Pfadfinderbundes Mosaik

Screenshot der Internetseite des "DPBM" Auch der Deutsche Pfadfinderbund Mosaik (DPBM) hat, ebenso wie der Zugvogel, in einer Grundsatzerklärung seine Haltung gegenüber „rechtsnational-konservativen, völkischen und rechtsextremen wie -radikalen Anschauungen nicht nur im jugendbewegten Spektrum“ zum Ausdruck gebracht.

Die ausführliche Erklärung nimmt auch Bezug auf die Geschichte des eigenen Bundes, die einem Wandel unterworfen war: Im Jahr 1988 reformierte sich der Bund und gab sich einen neuen Namen und eine neue Verfassung. Auf der Grundlage dieser Erfahrung wird in der Erklärung beschrieben, „dass es mehr als nur bloßer Lippenbekenntnisse bedarf, die Vergangenheit kritisch zu hinterfragen und zu einem neuen Selbstverständnis zu finden.“

Hier der volle Text der Erklärung:

Erklärung des Deutschen Pfadfinderbundes Mosaik

Der Deutsche Pfadfinderbund Mosaik bekennt sich in seiner Bundesurkunde ausdrücklich zur freiheitlich-demokratischen Staatsform und zum Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland. Er steht für ein friedliches Zusammenleben junger Menschen gleich welcher Herkunft, Religion und Nationalität. Als Bund, der sich der Pfadfinderbewegung zugehörig versteht, setzt er sich für das gute Miteinander aller Menschen dieser Erde ein. Auf unseren Fahrten, die uns in viele Länder dieser Welt führen, aber auch im Inland, leben und erleben wir Weltoffenheit und Bereicherung durch fremde Kulturen.

Aufgrund der in unserer Bundesurkunde niedergeschriebenen und in der gelebten Praxis unseres Gruppenlebens Ausdruck findenden Ideale, sowie in der Sorge um das Wohlergehen der uns anvertrauten Kinder und Jugendlichen auf der einen Seite und um Missverständnisse in der nichtbündischen Öffentlichkeit zu vermeiden auf der anderen Seite, betrachtet die Führung des Bundes es als Gefahr, dass Bünde und Gruppen im jugendbewegten Bereich existieren, bzw. sich diesem zugehörig fühlen, welche die gebotene Distanz zu den Positionen der Rechtsextremen und
-radikalen vermissen lassen. Wir sind der Überzeugung, dass Menschenbildung und -führung im Sinne der Jugendbewegung nicht von radikalen Ideologien beeinflusst sein kann und darf.

Die Führung des Deutschen Pfadfinderbundes Mosaik, der sich als Teil der Jugendbewegung versteht, ist der Ansicht, dass solchen Gruppierungen in keiner Weise der Weg für eine von ihnen erstrebte Milieubildung und Meinungsmache innerhalb der Jugendbewegung bereitet werden darf. Das in Anspruchnehmen von scheinbar gemeinsamen jugendbewegten Wurzeln kann dabei unter keinen Umständen, die hier zu ziehende Grenze überbrücken.

Wir sind froh, in einem Land leben zu dürfen, in dem rechtsstaatliche Prinzipien und das grundlegende Recht auf freie Meinungsäußerung einen hohen Stellenwert besitzen. Dies heißt jedoch nicht, auch jede Meinung gleichermaßen akzeptieren zu müssen, gerade wenn diese in ihren Grundwerten den unsrigen nahezu diametral entgegenstehen. Als Pfadfinderbund sind wir deshalb verpflichtet, Distanz zu solchen Gruppen zu wahren, auch wenn diese von staatlicher Seite bis dato nicht offiziell verboten worden sind. Selbstbestimmtes jugendbewegtes Handeln kann nur vor eigener Verantwortung und nicht etwa der Dritter bestehen!

Solange es Gruppen, denen berechtigterweise der Vorwurf einer Nähe zum Radikalismus gemacht werden kann, nicht gelingt, sich eindeutig von einer belasteten Historie oder rechtsextremen Aussagen und parteipolitischen Doppelmitgliedschaften ihrer Mitglieder (auch solchen der Vergangenheit) zu distanzieren, lehnt die Führung des Bundes eine etwaige Öffnung gegenüber solchen Gruppen konsequent ab. Dies gilt auch für Gruppen, die in ihrem Schrift- und Liedgut, ein anti-emanzipatorisches, nationalistisch-völkisches, revisionistisches und insgesamt solcherart rückwärtsgewandtes Weltbild proklamieren.

Bis dahin kann aus der Sicht des Deutschen Pfadfinderbundes Mosaik ein Dialog mit diesen Gruppen nur durch interessierte Ältere und die Führungen erfolgen. Feldversuche unter dem Deckmantel der „Resozialisierung“ von Gruppen mit politisch bedenklichen Anschauungen unter Ausnutzung eines unwissenden Teilnehmerkreises lehnen wir ab, da es weder gewiss ist, dass ein ehrlicher Willen von Seiten jener Gruppen vorliegt, noch halten wir es für sinnvoll, dies auf bzw. hinter dem Rücken unserer Bundesgemeinschaft zu vollziehen.

Gruppen bündischer Prägung, die hingegen klar und deutlich von solch bedenklichen ehemals von ihnen mitgetragenen Anschauungen und Personen(gruppen) Abstand nehmen, werden vom Deutschen Pfadfinderbund Mosaik und seiner Führung jederzeit im Kreis der jugendbewegten Bünde willkommen geheißen.

Nicht zuletzt in Anbetracht des langwierigen und in Teilen schwierigen Prozesses, in dem sich der Deutsche Pfadfinderbund Mosaik der Geschichte gestellt hat, betrachten wir es als Mahnung und Auftrag, rechtsnational-konservativen, völkischen und rechtsextremen wie -radikalen Anschauungen nicht nur im jugendbewegten Spektrum entschieden entgegenzutreten. Die Führung des Deutschen Pfadfinderbundes Mosaik weiß aus eigener Erfahrung, dass es mehr als nur bloßer Lippenbekenntnisse bedarf, die Vergangenheit kritisch zu hinterfragen und zu einem neuen Selbstverständnis zu finden. Ganz konkrete Taten sind dafür notwendig. Der Deutsche Pfadfinderbund Mosaik war im Jahr 1988 aber nur deshalb in der Lage seine Äußerlichkeiten, seine geschriebenen Grundlagen, wie auch seine Begrifflichkeiten und sonstige Formen so konsequent zu reformieren, weil er bereits im Vorfeld dieser tief greifenden Einschnitte sein eigentliches Gruppenleben erheblich verändert hatte.

Die Führung des Bundes ruft seine Gliederungsführungen deshalb dazu auf, sich kritisch mit den möglichen Gefahren auseinanderzusetzen, die dem pfadfinderischen und bündischen Geist unseres Bundes, aber auch der Jugendbewegung insgesamt aus dem besagten Spektrum drohen können. Wir warnen die Gliederungen eindringlich davor, Kontakte mit Angehörigen von Gruppen aufzunehmen, die nachweislich Gedankengut vertreten, welches mit den Werten unserer Bundesurkunde im Sinne eines friedlichen Zusammenlebens der Völker nicht in Einklang zu bringen ist. Ferner raten wir den Gliederungen des Bundes, überbündische Veranstaltungen zu meiden, an denen Angehörige solcher Bünde und Gruppen ohne Einschränkung teilnehmen können. Insbesondere die Kinder und Jugendlichen unseres Bundes, gegenüber denen wir Fürsorgepflichten erfüllen, sollen vor Kontakten mit solchen Gruppen wirksam geschützt werden.

Bei der Bewertung von entsprechenden Gruppen und Veranstaltungen bietet die Bundesführung den Gliederungen des Bundes Rat und Hilfe an.

Wir sind uns bewusst, nur ein Bund unter vielen in einer sehr vielschichtigen Jugendbewegung zu sein. Diese Vielfalt empfinden wir als große Bereicherung und zu schützenden Wert. Gerade um diese Vielfalt in Einheit bewahren zu können, ist es deshalb aus unserer Sicht notwendig, Grenzen zu den politischen Rändern aufzuzeigen und Vielfalt nicht zur Beliebigkeit verkommen zu lassen, die Gemeinsamkeit nicht mehr zulässt. Wir freuen uns daher, wenn auch andere Bünde im Sinne dieser Erklärung handelten und auch schon handeln.

Köln, im September 2009
Die Bundesführung des Deutschen Pfadfinderbundes Mosaik

Kommentare sind geschlossen.