Internetfundstück: Wotans Erben – Rechtsradikale Jugend in der Bundesrepublik

Eine Dokumentation des WDR aus dem Jahr 1977, die vor einiger Zeit bei Youtube eingestellt wurde, erlaubt einen tiefen Einblick in die Szene nationalistischer Jugendarbeit in den siebziger Jahren. Die Autoren Rolf Bringmann und Dirk Gerhard portraitieren den Bund Heimattreuer Jugend, die Stahlhelmjugend und die Wiking-Jugend. Außerdem berichten sie von Aktivitäten der Jungen Nationaldemokraten, der 1970 gegründeten und “Aktion Widerstand” und vom Hamburger “Freundeskreis Filmkunst”. Trotz aller Unterschiede zur heutigen Zeit fallen aber Gemeinsamkeiten, Parallelen und Kontinuitäten zu den “Nachfolgern” der beschriebenen Jugendbünde ins Auge.

So sagt der damalige Bundesführer des BHJ, Gernot Mörig, in einem Interview, dass der BHJ “mit jeglicher Parteiarbeit nichts zu tun” habe. “Wir knüpfen bewußt an die bündische Jugend an”, sagt Mörig, der sich nach der Abspaltung der Heimattreuen Jugend in den 1990ern der HDJ angeschlossen hatte. Gleichlautende Aussagen werden auch heute von Vertretern der Bundesführung des heutigen Freibund – Bund heimattreuer Jugend getroffen. Als Beleg für eine Loslösung aus dem nationaloppositionellen Milieu taugten derlei Bekenntnisse damals wie heute wohl kaum.

So werden anhand des Films Kontinuitäten deutlich, die bis heute zwischen dem angeblich gemäßigten Freibund – Bund heimattreuer Jugend und der bis zu ihrem Verbot militant rechtsextremistischen Wiking-Jugend bis heute bestehen: An zwei Stellen des Films werden Treffen der Wiking-Jugend gezeigt, bei denen zu Klängen der Landsknechtstrommel mehrere Trompeter ein bestimmtes Stück spielen. Das gleiche Stück spielen Trompeter des Freibundes auch heute noch, wie einem Image-Film auf der Homepage des rechten Jugendbundes zu entnehmen ist. Es handelt sich hierbei nicht um die einzige Gemeinsamkeit mit der Wiking-Jugend, die in ihrer Reinform bis heute erhalten geblieben ist. Auch der in der Wiking-Jugend übliche “Wolfangelmarsch” wird in heutiger Zeit noch im Freibund praktiziert. Die Teilnehmer sind zwischen 11 und 13 Jahre alt und haben in fünf Tagen eine Strecke von 150 Kilometern zu absolvieren.

Eine Freibünderin schreibt in einem Bericht über die “Bundesfeier” 2007:

„Es werden neue Kameraden in unseren Kreis aufgenommen, und die Freude über die große Zahl kann man in den Gesichtern lesen. Daß außergewöhnliche Taten und Leistungen ein Bestandteil unseres Bundes sind, findet seinen Ausdruck in der Verleihung der Leistungsabzeichen Wolfsangel und Edelweiß. Die Kameraden, die es geschafft haben, sind erfreut und stolz.“

Auch das Bundeslied des Freibund – Bund heimattreuer Jugend ertönt im Filmdokument von 1977. Hier wird es von Mitgliedern der militaristisch-antidemokratisch geprägten Stahlhelm – Jugend gesungen. Das Lied: Nur der Freiheit gehört unser Leben. Freibund-Mitglieder unterschreiben interne und teilweise auch öffentliche Texte in Anspielung auf ihr Bundeslied oft mit den Worten “nur der Freiheit…”.

 

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