Burg Ludwigstein: „… mehr fordern als bisher“ Junge-Freiheit-Autor übt Kritik an der „offenen Burg“

Vor einem Jahr führte eine Recherche über die Burg Ludwigstein, deren Ergebnis zugleich bei ZEIT online und auf rechte-jugendbuende.de erschien, zu einer vorrübergehenden Einstellung der Fördermittel durch das zuständige Landesministerium. Der Grund war das Konzept der „offenen Burg“ das die Burgtore auch für nationaloppositionelle Gruppen weit geöffnet hatte. Zur Schadenbegrenzung wurden alle jugendbewegten Gruppen für zunächst ein Jahr von der Burg ausgeschlossen. Ein „Dialog der Bünde“ wurde vereinbart, der in dieser Zeit die Bedingungen für die Nutzung der Burg durch die unterschiedlichen Gruppen klären sollte. Nun endet das Trauerjahr. Am kommenden Wochenende tagt erneut die Mitgliederversammlung der Vereinigung Jugendburg Ludwigstein (VJL). Wenige Tage zuvor sorgt eine Kritik an der „offenen Burg“ erneut für Aufsehen. Der Grund: Sie erschien ausgerechnet in der rechtsgerichteten Wochenzeitung Junge Freiheit.

„Die Leitung der Burg Ludwigstein sollte das Konzept der „Offenen Burg“ noch einmal gründlich überdenken – und von den Bünden mehr fordern als bisher.“

Diese Forderung kann man ausgerechnet in der heute erschienenen Ausgabe der Jungen Freiheit (JF) lesen. Für manchen treuen Leser wird wie ein Paukenschlag daher kommen. Kritische Töne gegenüber nationaloppositionellen Jugendbünden sind in dem Blatt eigentlich nicht zu erwarten– stammten doch nicht wenige der Macher und Autoren im Laufe der Jahre ihres Bestehens selbst aus einschlägigen Bünden wie dem Freibund oder der Deutschen Gildenschaft. Beiträge über die entsprechenden Jugendbünde hatten naturgemäß stets einen werbenden Charakter. Die Zeitung ist fest im nationaloppositionellen Milieu verankert.

Wehl verfolgt den Werdegang des Freibundes seit Jahrzenten – teils aus großer Nähe. Die Änderung des Namens des Bundes und dessen politischer Ausrichtung um 1990 lobt er in dem parallel auf seinem Blog erschienenen Artikel als „Zäsur“ und nimmt den Freibund, der sich zuvor noch Bund Heimattreuer Jugend (BHJ) nannte gegen den Vorwurf des „Etikettenschwindels“ in Schutz. Bei der Betonung der Hinwendung des Freibundes auch zu den Protagonisten eines  „bündischen Widerstandes nach 1933“ den er auch glaubhaft mit einigen Beispielen zu belegen weiß, versäumt er es jedoch, die Hinwendung zur „bündischen Jugend vor 1933“ mit ebensolchen Beispielen zu illustrieren. Die Themen der Bundesälterentreffen um 1990 lauteten etwa „Nationalrevolutionäre“ oder „Die Konservative Revolution“, wie aus den vorliegenden Einladungen zu entnehmen ist.

„Ist der Vorwurf der anderen Bünde also gar nicht berechtigt? Oder ist das Kriterium des „Extremismus“ viel zu schwach? Müsste es andere Kriterien geben?“

Im Jahr 2005 – die aktuelle Debatte über „rechte Jugendbünde war gerade aufgeflammt – veröffentlichte der Freibund die so genannte „Freiburger Erklärung“. Diese enthielt ein Bekenntnis zu Menschenwürde, Grundrechten und Grundgesetz. Wehl fragt, wie ernst die „Freiburger Erklärung“ und die „Meißner-Formel“ von der Führung des Freibundes wohl tatsächlich genommen werden und hält „Zweifel“ für „angebracht“. Denn nach wie vor verwendet der Bund ein Werk des einstmaligen HJ-Liedermachers Hans Baumann als sein Bundeslied. Ein solches wird bei Treffen des gesamten Bundes und zu feierlichen Anlässen ähnlich einer Hymne gemeinsam gesungen. Es handelt sich um das Lied „Nur der Freiheit gehört unser Leben“.

Mit Blick auf die Diskussion um Burg Ludwigstein fragt der Junge-Freiheit-Autor

Erwarten diejenigen, die das Lied heute singen, von denen, deren Vorfahren unter dem NS-Regime gequält und ermordet wurden, dass sie das Lied mitsingen? Wie kann es sein, dass ein solches Lied noch immer in vielen Liederbüchern – nicht nur der bündischen Jugend – zu finden ist? Die Geschichte des Liedes steht im Widerspruch zum Geist der Meißner-Formel und zu allem, wofür die bündische Jugend heute steht.

Der „Dialog der Bünde“ über die „Nutzungsbedingungen“ der Burg Ludwigstein hat bislang zu keinem Ergebnis geführt. Bezüglich der Verwendung der Protokolle der Treffen wurde von den Beteiligten Vertraulichkeit vereinbart. Dies ist einer der Gründe, warum hier in den letzten 12 Monaten wenig zu lesen war. Wenn am kommenden Wochenende auf der Mitgliederversammlung der VJL die Diskussion weiter geführt wird, sind die Verantwortlichen der Burg Ludwigstein – maßgeblich der Stiftungsvorstand, der Burgbetriebsleiter, die Leitung der Jugendbildungsstätte und die VJL-Mitglieder vielleicht gut beraten, diesen Einwurf von der rechten Flanke der deutschen Presselandschaft zur Kenntnis zu nehmen.

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