Braunzonen beim Namen nennen

Logo: Arbeitsgemeinschaft freier Jugendverbände in Hamburg e.V.Ein Gastbeitrag von Jan Jetter – Bildungsreferent der Arbeitsgemeinschaft freier Jugendverbände in Hamburg e.V. (AGfJ).

Die Arbeitsgemeinschaft freier Jugendverbände in Hamburg e.V. (AGfJ) ist ein Dachverband kleiner Jugendverbände in Hamburg. Unter unserem Dach versammeln sich unterschiedlichste Jugendverbände, von internationalen Jugendverbänden über Junge Medienmacher_innen bis hin zu Pfadfinder_innen.

In der AGfJ wurde die Einrichtung der Seite „Rechte Jugendbünde“ aus verschiedenen Gründen sehr begrüßt: Als Teil einer vielfältigen, pluralistischen Jugendverbandsszene, finden wir als Dachverband es wichtig, wenn die Gefahr von rechter Indoktrination in bündischen Jugendgruppen und Jugendverbänden allgemein kritisch beleuchtet und vor allem beim Namen benannt wird. Einem zentralen Grundsatz von Jugendverbandsarbeit, nämlich der gleichberechtigten Teilhabe Aller am gesellschaftlichen Leben unabhängig von Hautfarbe, Herkunft, sexueller Orientierung, Religion und Geschlecht, stellen diese rechten Gruppen ein rassistisch, antisemitisch und völkisch geprägtes Weltbild entgegen, das viele Menschen ganz bewusst ausschließt.

Gefahr von Rechts auch in Jugendverbänden

Von vielen Seiten hören und lesen wir, wie Rechte Ideologen auch in Jugendverbänden versuchen, Fuß zu fassen: von Gewerkschaftsgruppen über Jugendfeuerwehren und Sportvereinen bis hin zu Pfadfinder- und bündischen Jugendgruppen. Überall versuchen die völkischen und reaktionären Dogmatiker, geschickt in alle Bereiche der Gesellschaft vorzudringen und machen auch vor unseren Strukturen und Organisationen nicht Halt. Sie probieren in den Gruppen, sich mit ihren menschenfeindlichen Positionen als „normaler“ Teil der Gesellschaft zu etablieren und als zu diskutierende Variante des demokratischen Spektrums zu verkaufen. Was sie von freier Diskussion halten und wie sie mit politischen Gegner_innen und Minderheiten umgehen, wenn sie die Mehrheit haben, hat die Geschichte schon einmal grauenhaft unter Beweis gestellt. Es ist unsere Aufgabe, diese Versuche deutlich zurückzuweisen und dafür zu sorgen, dass rechte Ideologien keine Chance (nicht nur) in Jugendverbänden haben.

Eine Öffentliche Diskussion ist notwendig

Umso wichtiger ist diesem Zusammenhang, dass diese Versuche der Unterwanderung der öffentlichen Meinung öffentlich gemacht werden, denn Öffentlichkeit ist dass, was diese Strategie der völkischen und (Neu-)Rechten am Wenigsten gebrauchen kann. Sie agieren lieber still und leise, bis sie genug Fuß gefasst haben, um dann aggressiv ihre Positionen durchzusetzen. Aus diesem Grunde ist der Blog „Rechte Jugendbünde“ so begrüßenswert und wird mit Sicherheit eine wichtige Institution nicht nur innerhalb der Pfadfinderszene und den bündisch orientierten Jugendgruppen werden, die sich ebenfalls in ihrer Mehrzahl deutlich von rechten Bünden abgrenzen wollen.

Im Blog und auch im Buch „ Wer trägt die schwarze Fahne dort…” werden beispielsweise völkische Ideologien, altes Nazi-Liedgut und nicht-hinnehmbare – weil im NS benutzte – Symbole und Runen als das entlarvt, was sie sind: unheilvolle, braune Traditionen, die nichts mit der Idee der Jugendverbandsarbeit heute zu tun haben sollten. Traditionen, die sich biologistisch auf Rassekonstrukte beziehen, völkische Lebensgemeinschaften halluzinieren, antisemitische Stereotypen widerspiegeln oder elitären Männerbünden das Wort reden. Traditionen, von denen sich Jugendgruppen heute in jedem Falle deutlich abgrenzen sollten – auch wenn die Betroffenen das angeblich „alles gar nicht so meinen“.

Weltoffen statt völkisch

Schön wäre es, wenn die Seite und das Buch zu einem Klärungsprozess innerhalb der Pfadfinder_innen- und bündischen Jugendszene an den Stellen beitragen könnte, wo eine Klärung offensichtlich notwendig ist. Klärung in dem Sinne, dass positive Traditionen erhalten und ausgebaut und zweifelhafte Traditionslinien hinterfragt und möglicherweise einfach abgeschafft werden. Ziel aller Verbände, Pfadi- und bündischen Jugendgruppen sollte es sein, braune Grauzonen zu erkennen, zu benennen und zu beseitigen.

Mir fällt in diesem Zusammenhang ein Singewettstreit vor einigen Jahren in Hamburg ein, bei dem ein Büchertisch NS-gefärbtes, völkisches Material zum Kauf anbot. Mitglieder eines Hamburger Pfadfinder_innenverbandes sorgten dafür, dass der Tisch abgebaut werden musste, obwohl einige andere Teilnehmer den Verkäufer als „langjährigen, bündisch orientierten Jugendbewegten“ kannten: Den aktiven Pfadis war ihre eigene, positive Tradition, die sich weltoffen und emanzipatorisch darstellt, wichtiger als eine bis dahin offensichtlich geduldete Traditionslinie, die eindeutig braun war. Diese Art von deutlicher Klärung meine ich. Es wäre schön, wenn dieses Beispiel Schule machen würde!

Auf den Aktionstagen „respekt* 7 – gegen alltägliche gleichgültigkeit“*** am 14./ 15.11. dieses Jahres wollen wir von der AGfJ zusammen mit dem Pfadfinder- und Pfadfinderinnenbund Nord (PBN) und den Falken einen weiteren Beitrag zu dieser Klärung leisten: Neben Workshops u.a. zu antifaschistischem Liedgut, zu Antisemitismus oder zu Zivilcourage und einem Zeitzeugengespräch wird das diesjährige politische Frühstücksmatinée am Sonntag, den 15.11., ab 12:00 zum Thema „Rechte Jugendbünde“ stattfinden. Die beiden Betreiber des Blogs werden nach einem Vortrag zur sicherlich spannenden Diskussion zur Verfügung stehen. Nähere Infos zum respekt-Programm erhaltet ihr ab Ende August unter: www.agfj.de.

Jan Jetter – Bildungsreferent der Arbeitsgemeinschaft freier Jugendverbände in Hamburg e.V. (AGfJ)

***respekt*7 findet statt im: Stadtteilzentrum KÖLIBRI, Hein-Köllisch-Platz 12, St. Pauli, 20359 Hamburg

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